Lake People MC50 und G118

Kopfhörerverstärker mit und ohne Monitoring-Matrix

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Wir haben ja schon den Lake People Monitor Controller MC100 getestet, der schon einige Zeit verfügbar ist. Seit 2025 ist nun der MC50 verfügbar, der statt im Desktop- in einem 19-Zoll-Gehäuse (1 HE) untergebracht ist. Den MC50 gibt es auch als G118 in einer reinen Kopfhörerverstärker-Version ohne Monitor-Funktionalität.

Technik und Anschlüsse

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Im Februar 2025 hatten wir bereits die Möglichkeit ein Vorserienmodell, was aber der technisch dem Seriestand entsprach, zu testen. Das Gehäuse (483 x 44 x 188 mm) ist aus Edelstahl gefertigt und die Frontplatte aus drei Millimeter Aluminium. Das integrierte Netzteil (115/230 V, intern umschaltbar) ist großzügig dimensioniert und mit einem Ringkern-Transformator ausgestattet.

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Alle Ein- und Ausgänge sind symmetrisch ausgeführt. Der MC50 verfügt über zwei Eingänge in Form von zwei Paar XLR-Buchsen sowie drei Ausgangspaare für die beiden schaltbaren Stereo-Ausgänge sowie ein Slave-Paar, bei dem das Stereo-Eingangssignal durchgeschliffen wird. Der MC100 ist hier noch etwas besser ausgestattet und verfügt über drei statt zwei Ausgangspaare plus einem Sub-Ausgang sowie zwei statt einem Slave-Paar. Auch ein digitaler Eingang (USB-C) sowie ein unsymmetrisches Cinch-Eingangspaar findet man nur beim MC100. Den Übertragungsbereich gibt der Hersteller mit 5 Hz bis 100 kHz an und das Übersprechen mit -110 dB (@ 1 kHz), bzw. -95 dB (15 kHz), und den Dynamikumfang mit min. 126 dB (A-gewichtet) und das THD+N mit kleiner als 100 dB.

Der MC50 verfügt im Gegensatz zum MC100 über zwei beleuchtete VU-Meter. Die Helligkeit lässt sich übrigens über einen kleinen Trimmer einstellen. Häufig ist es ja bei Kopfhörerverstärker mit VU-Meter so, dass die Meter sich auf Grund des eingestellten Pegels kaum bewegen. Besonders bemerkenswert ist, dass man beim MC50 die Ansprechempfindlichkeit der VU-Meter über DIP-Schalter auf der Geräterückseite anpassen kann. Das würde ich mir auch bei anderen Kopfhörerverstärkern wünschen.

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Beim MC50 kommen bei der Kopfhörerverstärker-Sektion Transistoren zum Einsatz und zwar vier Verstärkerstufen. Daher lassen sich auch symmetrisch beschaltete Kopfhörer über die 4-polige XLR-Buchse am MC50 anschließen und auch symmetrisch betreiben. Auch ein Pluspunkt gegenüber dem MC100, der nur über eine 6,3-mm-Klonkenbuchse verfügt und nicht über zwei wie der MC50. Die Verstärkung der Endstufe liegt bei 6 dB und die Ausgangsimpedanz bei 0,125 (unsymmetrisch), bzw. 0,25 Ohm (symmetrisch). Bei 600 Ohm liegt der maximale Ausgangspegel bei 390 (unsymmetrisch), bzw. 1.220 mW (symmetrisch) und bei 32 Ohm bei 1.500 mW.

Bedienung

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Die Frontplatte teilt sich in fünf Sektionen auf und zwar von links nach rechts: Eingangs- und Monitor-Sektion, Kopfhörer-Sektion, Ausgangssektion, Meter sowie Kopfhörerausgänge. Im Gegensatz zum MC100 kommen hier keine Tasten, sondern Miniatur-Knebelschalter zum Einsatz.

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In der Eingangs- und Monitorsektion (s. Abb. oben) lässt sich einer der beiden Eingänge und bei Mittelstellung beide gleichzeitig aufschalten. Als Poti für den Eingangspegel (Reglerknopf-Durchmesser 25 mm) kommt ein hochwertiges RK27 Poti von Alps, mit 41-facher Rasterung zum Einsatz. Rechts neben dem Volume-Regler befinden sich drei Schalter für die Monitorfunktionen wie: Phasentausch, Kanaltausch, bzw. Mono sowie Auswahl nur des linken oder rechten Kanals oder eben beide.

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Beim MC50 lässt sich in der Kopfhörersektion auch ein Pre-Gain einstellen und zwar im Bereich von -18 bis +12 dB so dass bei nominale Abhörlautstärke der Pegelregler ungefähr in der Mitte des Regelbereichs liegt. Man muss also nicht mit DIP-Schalter im Geräteinneren hantieren und kann so schnell Anpassungen vornehmen, wenn man einen Kopfhörer mit anderer Impedanz oder Empfindlichkeit nutzen möchte. Die Kopfhörersektion bietet auch ein zuschaltbares und dann einstellbares Übersprechen (X-FEED).

Wer sich übrigens näher über die Pre-Gain-Funktion sowie auch über symmetrischen Anschluss von Kopfhörern informieren möchte, dem empfehlen wir einmal den Podcast 002 von proaudio.fm (Link zu YouTube) zu hören, in dem Entwickler Fried Reim von Lake People hierzu Einiges erklärt. Eine sehr hörenswerte Episode unseres Podcast.

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In der Ausgangssektion befinden sich zwei Dreiwege-Schalter für Line/Kopfhörer sowie Line A/B. In Mittelstellung sind jeweils beide Funktionen aktiv. Weiter gibt es noch einen Schalter für Mute sowie eine Status-LED für den Fall, das eine Schutzschaltung aktiviert wird. Übrigens wird nach dem Einschalten der Kopfhörer verzögert hinzugeschaltet und der MC50 bietet auch zum Schutz des Gerätes eine Temperaturüberwachung.

Kopfhörerverstärker G118

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Schauen wir uns doch einmal den G118 Kopfhörerverstärker an, bei dem die Monitor- und Ausgangswahl-Sektion fehlen.

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Auf der Rückseite sieht man, dass der G118 zwei symmetrische Eingangspaare und ein Ausgangspaar bietet. Auch die DIP-Schalter für die Meter-Empfindlichkeit sind vorhanden.

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Die Bedienelemente sind beim Lake People G114 auf Eingangsanwahl, Pegeleinstellung, Mono/Phasenumkehr, Pre-Gain-Einstellung sowie Crossfeed und Mute beschränkt.

Praxis

Wer mein, dass der MC50 der kleine Bruder des MC100 sei, der liegt falsch, denn der MC50 bietet andere Leistungsmerkmale und ist kommt ja auch in einem anderen Gehäuseformat daher. Ich denke der MC50 wird mehr professionelle Studios ansprechen, denn diese benötigen bei einem Monitor-Controller kein USB-Eingang und auch in der Regel kein Sub-Ausgang, da das Bassmanagement hier meistens anders gelöst wird. Dafür gibt es aber Meter mit selektierbarer Empfindlichkeit, einstellbares Pre-Gain auf der Frontplatte, aufwendige Transistorendstufen für den Kopfhörerverstärker, symmetrischer Kopfhörerausgang oder zwei unsymmetrische Kopfhörerausgänge und das Ganze zum Einbau in ein 19-Zoll-Gehäuse. Der MC100 richtet sich eher an anspruchsvolle Anwender im Home-Recording- oder Projektstudio-Segment. Hier wird man in der Regel auch keine 19-Zoll-Rack-Möglichkeit im Regietisch haben und daher ein Desktop-Gehäuse vorziehen.

Die Verarbeitung des MC50 ist exzellent. Der MC50 kommt mit allen Kopfhörern klar ob hochohmig oder extrem niederohmig und das auch mit entsprechenden Lautstärken. Er ist klanglich sehr neutral. Der MC100 ist vielleicht durch den Einsatz der Power-OP-Amps noch einen Hauch linearer und der MC50 etwas, sagen wir mal so: "musikalischer". Aber damit wir uns nicht falsch verstehen: wir sprechen hier von Nuancen im Grenzbereich der Wahrnehmung.

Übrigens noch ein Hinweis: wer sich weiter über die Lake People Monitorcontroller MC50 und MC100 informieren möchte, dem sei auch unser Video zum Thema Lake People Monitorcontroller von proaudio.tv ans Herz gelegt.

Fazit

Der Preis für den Lake People MC50 Monitor Controller liegt bei 1.600 Euro und die reine Kopfhörerverstärker-Variante G118 bei 1.300 Euro. Damit liegt die Monitor-Controller-Variante MC50 preislich nicht weit vom MC100 in der Standardversion ohne Relais-Pegelsteuerung entfernt. Das verwundert auch nicht, da der MC50 kein abgespekte Version des MC100 darstellt, sondern einfach andere technische und konzeptionelle Schwerpunkte setzt.

Nun haben Anwender beim Monitoring zwei unterschiedliche Produkte zur Auswahl oder wer eben nur einen hochwertigen Studiokopfhörerverstärker ohne Monitoring-Funktionen benötigt, der greift dann zum G118. Von der Klangqualität und Verarbeitung alles sehr hochwertige Produkte.

www.lake-people.de